Fachbeitrag
Ein Beitrag von  Rex Technologie GmbH,  Rex auf VetStage

Narkosemanagement bei brachycephalen Hunderassen: Tipps zur guten Vorbereitung

erstellt am 1. August 2024

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Die Allgemeinanästhesie bei brachycephalen Rassen erfordert besondere Vorsicht, da sie durch ihre anatomischen Veränderungen Narkoserisikopatienten sind. Erfahre hier, wie sich Risiken bei der Narkose senken lassen.

 

Brachycephale Hunderassen wie Möpse, Bulldoggen oder Pekinesen liegen im Trend. Die Züchtungen haben allerdings zu anatomischen Gegebenheiten geführt, die das Risiko von Narkosezwischenfällen erhöhen können. Zu den häufigsten gehören dabei:

  • Dyspnoe
  • Hyperthermie
  • Regurgitation
  • Postoperative Aspirationspneumonie

 

Vor allem Veränderungen der oberen Atemwege erhöhen Komplikationsrisiko

Insbesondere die veränderten Atemwege spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die als brachycephales obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS) bezeichneten Veränderungen der Atemwege beinhalten unter anderem

  • enge Nasenlöcher und Nasenhöhlen,
  • übermäßig viel Weichteilgewebe im Rachenraum sowie
  • ein verlängertes und verdicktes Gaumensegel, das den Kehlkopf verlegt und in vielen Fällen das schnarchende Atemgeräusch verursacht.

Allerdings weisen nicht alle brachycephalen Hunde sämtliche dieser anatomischen Abweichungen auf.

Das BOAS erschwert die Atmung und damit auch die Sauerstoffversorgung. Das macht sich insbesondere in Situationen bemerkbar, in denen die Atemfrequenz erhöht ist, beispielsweise bei

  • Stress,
  • Aufregung,
  • erhöhter Körpertemperatur oder
  • Schmerzen.

Die Anomalien beeinträchtigen bei betroffenen Tieren auch die Fähigkeiten zur Temperaturregulation. Sie sind deshalb anfällig, eine Hyperthermie zu entwickeln.

Gleichzeitig haben brachycephale Tiere ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Beschwerden wie Reflux, Ösophagitis und Regurgitation. Diese können ebenfalls zu schwerwiegenden Komplikationen wie einer Aspirationspneumonie führen. Zusätzlich ist bei brachycephalen Hunden die Gefahr eines Hornhautulcus erhöht.

 


Maßnahmen, um die Risiken für Komplikationen zu reduzieren

Im Folgenden findest du einige Möglichkeiten, um durch eine gute Vorbereitung die Risiken der Narkose zu reduzieren.

Vor der Anästhesie

Bei brachycephalen Patienten ist es vor einer Narkose besonders wichtig, etwaige Atem- und gastrointestinale Beschwerden gründlich abzuklären. Von den Besitzer*innen wird häufig insbesondere eine Regurgitation leicht übersehen. Es empfiehlt sich, subtile Symptome wie Schnauben, Verschlucken oder übermäßiges Lecken der Lippen gezielt zu erfragen.

Durch eine Operation der Atemwegsobstruktion lassen sich in vielen Fällen die Beschwerden der Atmung verbessern, aber auch Regurgitation oder Reflux gehen oftmals zurück. Der Eingriff lohnt sich vor allem bei möglichst jungen Tieren, bei denen noch keine Komorbiditäten bestehen. Natürlich ist dafür aber ebenfalls eine Narkose notwendig. Auch bei älteren Tieren kann sich die Operation je nach Schwere und Dringlichkeit des eigentlich geplanten Eingriffs im Vorfeld aber dennoch lohnen, um die Risiken zu reduzieren.

Wie lange der Hund vor der Narkose nüchtern sein sollte, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die Empfehlung, am Tag der Operation nach Mitternacht nichts mehr zu fressen zu geben, gilt aber als angemessen. Eine Studie an Hunden zeigte außerdem, dass Omeprazol (1 mg/kg, p.o.) vier Stunden vor einer Narkose das Risiko für eine Regurgitation in der Aufwachphase reduzieren kann.

Zusätzlich gilt es, den Stress für das Tier möglichst gering zu halten. Dazu können die Besitzer*innen bereits zu Hause Anxiolytika geben: Geeignet sind zum Beispiel Gabapentin (10–29 mg/kg) oder Trazodon (3–5 mg/kg) etwa zwei Stunden bevor sie zur Praxis oder Klinik fahren. Auch Antiemetika wie Maropitant können bereits zu Hause verabreicht werden und das Risiko für Regurgitation und Erbrechen während der Narkose reduzieren.

Es ist ratsam, die Narkose auch in der Klinik rechtzeitig vorzubereiten: Sorge dafür, dass Narkose- und Beatmungsgerät gecheckt und einsatzbereit sind, bereite mehrere passende Endotrachealtubusse und notwendiges Zubehör vor. Es sollte der Tubus mit dem größten Durchmesser verwendet werden, der bequem in den Atemweg passt, ohne zu lang zu sein, bereite aber auch dünnere Tubusse vor. Überprüfe außerdem, ob die Manschetten/Cuffs dicht sind. Auf Notfälle sollte das Team ebenfalls vorbereitet sein. Für den Fall einer Regurgitation während der Intubation ist es außerdem ratsam, eine Möglichkeit zum Absaugen parat zu haben.

Ist der Patient angekommen, sollte er sich möglichst in einer ruhigen, stressarmen Umgebung aufhalten, in der Regel am besten in Anwesenheit der Begleitperson. Wenn es ohne zu viel Stress möglich ist, kann bereits ein Venenzugang gelegt werden. Unmittelbar vor der Einleitung der Narkose ist es möglicherweise hilfreich, mit einer Atemmaske oder Flow-by-Sauerstoff die Sauerstoffsättigung zu erhöhen. Das senkt das Risiko für eine Hypoxämie während der Intubation.

Prämedikation und Narkose

Als Prämedikation

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